Festivalbericht: Wacken Open Air 2011 #2

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Dies ist der zweite Teil des Wacken Open Air 2011 Festivalberichts – die anderen Teile findest du am Ende des Artikels.

Das Festival des Jahres ist nun bald eine Woche vorbei. Zeit genug die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und nochmal ein paar Momente in der Erinnerung zu schwelgen. Man kann sagen was man möchte, aber Wacken ist immer noch das Metal Festival in Deutschland – allen Unkenrufen zum Trotz. Glücklicherweise wurden auch dieses Jahr wieder die Besucherzahlen stabil gehalten, den noch mehr Menschen würde dieses Event kaum noch vertragen können. Nun folgt ein Bericht, wie das Team von Disctopia das 22. Wacken Open Air erlebte.

Freitag

Am Freitag ereilte einem aus unserer Gruppe der Preis von zwei Festivals in Folge. Heftiger Schnupfen und allgemeine Niedergeschlagenheit sorgten für einen Trip zur örtlichen Apotheke in Wacken. Überaschenderweise war dort nichts los – sehr fitte Menschen auf Wacken. Nach dem Kauf eines Nasensprays machten wir uns auf, die nächste Band zu sehen.

Währenddessen machte sich Nelix auf die Reise andere Bands mit zu nehmen:

Die finnischen Viking/Folk Metaller von Ensiferum eröffneten den Freitag bereits um 12 Uhr. Trotz der schon fast unmenschlichen Uhrzeit waren sehr viele Zuschauer vor Ort. Die Fans wurden von der Band nicht enttäuscht. Unbeeindruckt vom Opener-Slot wurde eine Show abgeliefert die sich gewaschen hat. Alte wie auch neue Songs wurden zum Besten gegeben. Die Fans dankten es mit mehreren Moshpits und verhältnismäßig vielen Crowdsufern. Zeitweise war die Menge etwas übermotiviert – Über eine Wall of Death beim Victory Song lässt sich bestimmt streiten. Spaß gemacht hat es aber alle Male.

Kompletter Stilbruch in der WET-Stage. Nach dem melodiösen Klängen wartete mit den deutschen The Prophecy 23 nun brutaler Thrash Metal auf uns. Die deutsche Combo hat ihren Fans – man nennt sich selbst Brutal Thrash Maniacs – so richtig eingeheizt. Obwohl sich nicht all zu viele Leute im Zelt eingefunden haben war die Stimmung Top. Inklusive origineller Crowdsurfer. Klasse Konzert das etwas länger hätte sein dürfen.

Im Zelt ging es dann gleich weiter. Die schwedischen Hard Rocker von Bullet luden zur großen Party ein. Zu Bullet muss ja wohl nicht viel gesagt werden. Ganz klassischen Hard Rock im Stile der altehrwürdigen AC/DC. Mit ihrer unbeschwerten Musik war die Stimmung innert kürze am kochen. Schnörkellos, schnell und dreckig. Leider wieder nur eine halbe Stunde, aber die war dafür sehr intensiv. Headbangen ohne Ende im prall gefüllten Zelt. So soll das sein.

Parallel dazu lauschte ich dem Metalcore Nachmittag auf den Mainstages:

As I Lay Dying spielten auf einer der Main Stages. Leider war es schon recht voll und wir mussten uns weit hinten etwas rechtsseitig positionieren. In ruhigen Momenten konnten wir uns dem Genuss der Party Stage hingeben, welche unser Gehört völlig irritierte. Davon abgesehen lieferten die Metalcorrer eine geile Show ab und spielten Songs aus allen Phasen ihres Schaffens. Tim Lambesis – Sänger – schaffte es abermals alle mit seiner Präsenz in seinen Bann zu ziehen. Die Highlights waren sicherlich das etwas ältere “Forever”, sowie “94 Hours” als Abschluss. Die Masse war begeistert, wenn auch nicht ganz so elektrisiert wie bei der Metalcore Band im Anschluss.

Auf der zweiten Main Stage folgten die US-Kollegen von Trivium, die mit ihrer Mischung aus Thrash Metal und Metalcore nahtlos weitermachten. Trotz nur geringer Kenntnisse der Band, ging auch bei Trivium ordentlich die Post ab. Spätestens den Song “Like Light to the Flies” erkannte ausnahmslos Jeder. Geiler Sound und geile Band, die auch ohne Vorkenntnisse geil anzusehen sind.

Die dritte Metalcore Band an diesem frühen Abend schaffte es innerhalb weniger Jahre aus dem Nichts an die Spitze zu stürmen. Die Rede ist natürlich von Heaven Shall Burn aus Deutschland. Bei dem einstündigen Konzert hat sich vermutlich jeder Anwesende mehr bewegt als sonst auf dem restlichen Festival. Eine geladene Stimmung und eine gewohnt motivierte Band sorgten für ordentlich Energie. Bei Songs wie “Endzeit”, “Counterweight” oder “Voices of the Voiceless” reihten sich Circle Pit an Circle Pit und bei “Endzeit” folgte er unausweichliche Monsterpit, als geschätzte 10.000 Menschen anfingen zu laufen. Mitgerissen von diesem wahnsinnigen Sog konnten wir uns nur schwer dagegen wehren. Heaven Shall Burn sind wahrlich eine Ausnahmeband, die den Kontakt zum Boden nicht verloren haben. Beim Aufruf, alle Frauen sollen ja vorne kommen um ein Gratis-Shirt zu erhalten, folgte eine Lawine von Crowdsurfern, die nicht nur das Publikum restlos überforderten, sondern genauso die Security an der Bühne. Die Aktion hatte durchaus negative Folgen für einige Frauen, auch wenn die Idee dahinter sehr sympathisch war.

Bei der allabendlichen Runde trafen wir diesmal einige Österreicher, die an sich ganz nett zu sein schienen. Nichts ahnend, das bald eine weitere Wacken-Kuriosität folgen würde, unterhielt man sich nett miteinander. Nach wenigen Minuten kam eine weitere Person hinzu. Auf die Frage, ob er den auch Österreich sei und hier dazu gehöre, gab es nur ein grunziges “Ja. Ey, bleib mal so stehen”. Irritiert und bereit eine Gegenfrage zu stellen, sah ich mich unvermittelt davon betroffen, angewichst zu werden. Die Gestalt lüftete die Hose und gab sich seiner Erregung hin. Wie von der Biene gestochen machten wir uns davon und suchten im eigenen Camp erst mal nach reichlich Alkohol nach diesem Schock. Da war mir Chantall wesentlich lieber, die unser Pavillon vollpisste.

Samstag

Der Samstag begann mit einer Runde The Murder of My Sweet. Ein bisschen Symphonic Metal zum wach werden um 12 Uhr. Entsprechend gefüllt war die WET Stage auch zu diesem Zeitpunkt. Die Gruppe um Frontfrau Angelica Rylin gaben dennoch alles und schafften es zumindest die wenigen Anwesenden zu begeistern. Nach nur 30 Minuten war leider schon wieder Schluss.

Es folgte mit Kataklysm kanadischer Death Metal feinster Art. Die Band wird immer gern belächelt und in die Melodic-Ecke abgeschoben, aber wie ich finde völlig zu unrecht. Kataklysm konnten mich zwar mit dem neuesten Album “Heaven’s Venom” nicht ganz überzeugen, aber trotzdem ist genügend Material vorhanden um einen beeindruckenden Auftritt ab zu legen. Bei Songs wie “Taking The World by Storm” ging der Mob richtig ab, ungeachtet des frühen Slots um 13 Uhr. Kataklysm bieten Headbang-Musik am Fließband und genau so wurden die Takte auch genutzt. Nicht wenige verabschiedeten sich nach dem Konzert völlig durchgeschwitzt. Leider wurden “Prevail” (“Give them the message – everybody ends up dead, it’s just a matter when”) und “Blood in Heaven” nicht gespielt – eine kleine Enttäuschung.

IMG_4586Nur eine Stunde später folgte bereits die kontroverse Band Mayhem. Es gibt sicherlich nur wenige Bands im Metal die ähnlich polarisieren wie Mayhem. Der ehemalige Sänger “Dead” schnitt sich mit 22 Jahren vor etlichen Jahren die Pulsadern auf und in früheren Tagen wurden gerne fragwürdige Rituale auf der Bühne praktiziert, welche selbst Anhängern des Black Metal zu weit gingen. Wir genossen den Auftritt sitzend weiter hinten und lauschten der monotonen Art von Attila Csihar, die gerade mal überhaupt keine Varianz darbieten wollte oder konnte. Dieser Act entsprach aus meiner Perspektive auch mehr einen Pflichtbesuch als wirkliches Interesse.

Als letzte Band gab es im Mittelalter Markt noch Lacrimas Profundere zum Besten. Die Deutschen schaffen es nun seit mehr als einem Jahrzehnt mit ihrem Gothic Rock zu begeistern und finden damit vor allem Fans im Bereich der Melancholie und ‘romantischen’ Düsternis. Sänger Rob Vitacca hatte gelegentlich etwas mit der Technik zu kämpfen, die gerne überschallte, lieferte aber ansonsten eine solide Leistung ab. Die Area vor der Bühne war gut gefüllt – wobei das nicht so schwer war – und der Menge gefiel es.

Eine gewisse Apathie dürfte nicht zuletzt daher rühren, das es nun zu Ende geht und die Realität schon am nächsten Tag wartet. Ja, die Gewissheit das es nun wieder Warten heißt dürfte bei vielen die Stimmung etwas gedrückt haben und da gab diese Band gerade recht um in den eigenen Qualen zu baden. Lacrimas Profundere war ein passender Abschluss, der nicht besser hätte gewählt werden können. Melancholie, die mich bis in nächste Jahr begleiten wird.

Abreise

Die mittlerweile dritte von fünf Nächsten durchgemacht – und etwas über die eigene Kondition erstaunt – warteten wir auf die ersten Shuttle Busse, welche uns nach Itzehoe befördern sollten. Und es gibt da diese eine kleine Regel in Wacken, die jedes Jahr für mächtig Frust sorgt: Kein Wackenende ohne schüttenden Regen. So fing es auch diesmal wieder gegen 4 Uhr an aus allen Eimern zu schütten und das Pavillon, gezeichnet durch die vorigen Tage, hatte kaum noch Motivation uns als Dach zu fungieren. Einige Workarounds in Form von zusätzlichen Seilen im inneren des Pavillon (niemand wollte nass werden) verschafften uns einige Stunden Trockenheit. Magisch angezogen von dieser Trockenheit bekamen wir noch spontanen Besuch eines Pärchens das Unterschlupf suchte samt Gepäck.

Angenehmerweise hatten diese noch etwas Alkohol und Unmengen an Würstchen dabei. Alle Verzehrbare wurden auch fortan verzehrt und erleichterte das Warten doch enorm. Um 6:30 Uhr traten wir die finale Reise an und fuhren mit dem Bus nach Itzehoe und unmittelbare weiter mit dem Regionalzug nach Hamburg um dort den Anschluss-ICE zu erreichen. Der Zeitpuffer tendierte beständig gegen Null – sehr effizient alles. Stunden später kamen alle ohne Verspätung am Zielort an.

Einige Bilder wurden uns mit freundlicher Genehmigung von Dirk zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder von Dirk findet ihr in seinem flickr Account.

Alle Teile des Festivalberichts

1. Teil: Anreise, Mittwoch und Donnerstag (18.08.2011)

2. Teil: Freitag, Samstag und Abreise (19.08.2011)

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