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13. Februar 2011 - Martin

Family Jewels: Dark Tranquillity – The Gallery

In dieser Reihe stellen wir jeden Monat jeweils am 13. ein Album vor, welches unserer Meinung nach Stilprägend war und einen Bereich der Szene nachhaltig beeinflusst hat. Einziges Kriterium ist, dass das Album mehr als zehn Jahre auf dem Markt erhältlich ist und der “schwarzen Szene” zuzuordnen ist.

Dark Tranquillity – The Gallery

image thumb3 Family Jewels: Dark Tranquillity – The GalleryGenre: Melodic Death Metal

Punkte: keine Bewertung

Laufzeit: 47:48

VÖ: 1996

Freunde des umgangssprachlichen “Göteborger Sounds” – auch Melodic Death Metal genannt und häufig nach dem Entstehungsort in Schweden benannt – denken zumeist zuerst an Bands wie At The Gates oder In Flames, wenn es um die Begründer des Stils geht. Völlig unterschätzt bleibt dabei die dritte Band in diesem Trio Dark Tranquillity. Meiner Ansicht nach, haben Sie in den 90ern sogar das beste Album des “Melodic Death Metal” produziert, was alles andere in den Schatten stellt. “The Gallery” ist eine Sammlung an Highlights, welche auch 15 Jahre nach der Veröffentlichung keinen Funken der damaligen Faszination verloren hat und immer noch in der Lage ist, seine Zuhörer stundenlang in den Bann zu ziehen.

“Skydancer” im Jahr 1993 war das erste Album von Dark Tranquillity und beschäftigte sich thematisch mit Fragen der eigenen Existenz. Sehr beliebt waren dabei Beschreibungen, die dem Rahmen unserer Welt sprengten und die Antwort in den Tiefen des Kosmos suchten. Die befreundeten Kollegen von In Flames betitelten zwei Jahre danach ihr Album “Jester Race” und vier Jahre später kam “Lunar Strain & Subterranean” auf den Markt. Selbst genrefremde Bands schlossen sich diesem Trend an oder gestalteten ihn aktiv mit: Das Black Metal Werk “Astral Sleep” von Tiamat aus dem Jahr 1991 wäre dabei zu nennen. Jedoch wies “Skydancer” noch erheblich Mängel in der Produktion auf und versprühte eher das Gefühl von jugendlichem Übereifer und Unerfahrenheit, statt künstlerischer Brillanz.

Ändern sollte sich dies schließlich zwei Jahre später mit dem Album “The Gallery”. Anders Fridén hatte die Band zwischenzeitlich verlassen und stand fortan für In Flames am Mikrofon. Die freie Sängerposition nahm Mikael Stanne ein, welcher zuvor die Gitarre bediente. “The Gallery” ist ein musikalischer Bilderreigen über die menschliche Vergänglichkeit und einer Welt voller Leid und persönlicher Schicksalsschläge. Dabei glänzt das Album mit unzähligen Besonderheiten bezüglich der Geschwindigkeit, dem Gesang und den zu erzählenden Geschichten. Ein absolut abwechslungsreiches Werk, welches bei jedem Anhören ein Stück mehr von sich preisgibt.

Der erste Song “Punish My Heaven” gehört bis zum heutigen Tag zu den besten Songs der Band. Wartet er mit einem dominanten Gitarrenspiel auf, welches nur den Weg nach vorne kennt – dazu die Growls von Mikael Stanne, welcher nur im Refrain den Cleangesang auspackt. Das Geknüppel der Instrumente entwickelt dabei seine ganz eigene Harmonie. Letztendlich ist es egal, was man erlebt hat oder welche Winkel des Universums bereist werden – am Ende “it’s the choice between heaven and hell”. Diese Zeile wird von Stanne dermaßen aus den tiefen seines Leibes herausgeschrien mit diesem unterschwelligen Ton der absoluten Hoffnungslosigkeit, das die nicht ganz irrationale Befürchtung besteht, er würde gleich implodieren. Diesen Song ist problemlos in Dauerschleife hörbar ohne Genug davon zu bekommen – unbeschreiblich.

Es folgt “Silence, And The Firmament Withdrew”, welches deutlich weniger emotional ist. Die stilistische Besonderheit ist der feine Doppelgrowl im Gesang, welcher nur spärlich als solcher erkennbar ist. Die restlichen Songstrukturen dienen dabei nur der Unterstützung des Growls. Sehr schön, aber auch sehr kurz. Nach nur 2:36 Minuten ist das Schauspiel vorbei.

“Edenspring” erinnert etwas an “Punish My Heaven” nur das es deutlicher chaotischer wirkt und dabei zu keinem Zeitpunkt Bezüge zu anderen Songstellen aufbaut. Das Lied besteht aus vielen kleinen Komponenten, welche alle für sich existieren könnten, aber erst im Zusammenspiel sich vollends entfalten. Dazu noch ein angedeuteter Breakdown, welcher damals eher atypisch war, und natürlich das bedrohliche gegrowle von Mikael Stanne. Im Mittelteil steht ein ruhiger Gitarrenlauf im Zentrum, welcher ein Stück weit Unentschlossenheit ausstrahlt.

Das vierte Stück mit dem Namen “The Dividing Line” besticht durch einen Melodiewechsel, welcher zum bangen geradezu einlädt. Häufige Höhenänderungen und ein passender Takt sind die perfekten Komponenten um sich fünf Minuten lang selbst beim bangen zu beobachten. Beim Refrain bleibt garantiert kein Nackenmuskel unbewegt. “The Dividing Line” knüppelt einfach wunderbar aus den Boxen und lässt die Welt Drumherum vergessen.

Der gleichnamige Track “The Gallery” ist hingegen deutlich ruhiger im Kontrast zum restlichen Album. Das markanteste Merkmal dürfte der etwas überraschend einsetzende weibliche Gesang im Chorus sein. Eva-Marie Larsson lieh ihre wunderbare Stimme für insgesamt drei Songs auf dem Album und verleiht “The Gallery” dabei eine tiefe Melancholie und dem gedanklichen Griff nach dem Unmöglichen. Sympathisanten des Symphonic Metal – und dem üblichen männlichen  und weiblichen Gesang – werden dabei beim gesanglichen voll auf ihre Kosten kommen.

Ein weiteres Highlight ist “Lethe”, welches auch sehr oft live gespielt wird. Der Song handelt vom Fluss der Vergesslichkeit, welcher in jedem Menschen steckt. Vergessen kann eine Erlösung aber ebenso eine Qual sein – Erinnerungen charakterisieren uns jedoch und die Flucht vor der eigenen Vergangenheit holt einen irgendwann immer ein. Der Sound ist wieder etwas ausgeglichener und Mikael Stanne greift nach den höchsten Tönen die sein Growl zu erreichen vermag. Wunderbare Melodien und zum zweiten mal eine sehr präsente Melancholie machen “Lethe” zu etwas überragendem.

Die letzten beiden Songs scheinen zusammenzugehören. “Mine is The Grandeur…” klingt jedoch völlig anders als das wieder etwas melancholischere “…of Melancholy Burning”, welche erneut um eine Prise Frauengesang angereichert wurde. Eva-Marie Larrson übernimmt dabei fast schon die Führung in diesem Stück und klingt dabei sehr fordernd, während sich Mikael Stanne windet und versucht dem ganzen etwas entgegen zu setzen. Ein überragendes Lied mit doublebass des Schlagzeuges und stürmischem Gitarrensound.

In einer Limited Edition gab es noch das Metallica Cover “My Friend of Misery” dazu.

Im Gesamtkontext dürfte es kein Melodic Death Metal Album aus dem vergangenen Jahrtausend geben, welches “The Gallery” übertrumpfen könnte. Es stimmt einfach alles: überragender Growl von Mikael Stanne, dezent eingesetzter weiblicher Gesang ohne das Album aufzuweichen und knüppelnde Gitarren und ein perfekt eingesetztes Schlagzeug. Kein Song klingt wie der andere – jeder Song schafft es eine eigene Wirkung zu entfalten und dabei Einzigartig zu klingen.

Dieses Album scheint zu pulsieren während es die Umgebung in pure Ekstase versetzt. Dieses Album besitzt eine Komponente, welcher dem Gros der Musikalben fehlt. Eine Beschaffenheit welches es einmalig macht: es lebt!





Martin

Martin
Metal dient mehr als nur zur reinen Beschallung und bereichert mein Leben in sämtlichen Facetten. Besonders häufig bin ich auf Konzerten in München und Festivals im ganzen Land anzutreffen. Neben der Musik fesselt mich eine große Leidenschaft zur Filmkunst - wodurch auch die zahlreichen Filmkritiken auf der Webseite erklärt wären.
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dark, gallery, klassiker, metal, tranquillity

Ein Kommentar auf “Family Jewels: Dark Tranquillity – The Gallery”

  1. Neotopia’s Top 5 Metal Songs | Disctopia Metalblog sagt:
    12. Juni 2011 um 07:21

    [...] Klassikeralbum. Klassikersong und vermutlich der rauste zugleich in dieser Liste. Eine unbändige Energie in der Kehle von Mikael Stanne, die geradezu nach Beachtung schreit. Schneller Ryhtmus aus Gitarre und Schlagzeug, gepaart mit melodischen Linien. Dem Song haftet dabei immer ein Chaos an, welches nur jungen Bands eigen sein kann. Das wirkt authentisch und sorgt für Einzigartigkeit. [...]

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