Genre: Dark Metal
Punkte: 8/9
Laufzeit: 48:22
VÖ: 30. September 2011
Label: Napalm Records
Neues Material der Dark Metaller von Nachtblut. Mit Napalm Records im Rücken haben sich die Osnabrücker dran gemacht ihr 2009 bereits veröffentlichtes Album "Antik" erneut dem Publikum zu präsentieren. Dieser Re-Release ist nur der logische Schritt in einer Bandgeschichte, die von einem Erfolg zum nächsten eilt. Nach einigen Tour Auftritten als Support-Act sind Nachtblut mittlerweile nicht nur für Szenenkenner ein bekannter Name. Auch auf "Antik" wurde der lyrische Stil beibehalten und zielt dabei vor allem auf religiöse und gesellschaftliche Kritik ab.
Die vier Jungs und das eine Mädel in der Formation stehen für einen düsteren Metal, der vor allem auf dynamisch und schnelle Gesangseinlagen von Askeroth setzt. Ein dunkles Flüstern, wohlwissend der lauernden Gefahren, umgibt den Song "Die Blutgräfin". Der Gesang variiert dabei stets zwischen Flüstern und einer Art cleanen Growls. Dabei schwingt unterschwellig von Zeit zu Zeit eine Brise Dani Filth im Ton mit. Dies ist jedoch keinesfalls negativ zu werden. Es spiegelt lediglich die Gemeinsamkeiten im Genre und der Ähnlichkeiten einiger Bands wieder. Die melodische Komponente der Instrumente kommt dabei zumeist nur die Rolle der Unterstützung zu. Klare Strukturen, beständiger Takt und dominante Bass-Einlagen.
Dennoch weißt das Album einen hohen Grad an Abwechslung auf. "Ijobs Botschaft" erinnert Anfangs an ein klassisches Rammstein Intro. Langsamer Einstieg. Seichte Klänge mit einem konsequenten weitertreiben Richtung monotones Schlagzeug-Gehämmere. Langsam, wohl überlegt und dennoch imposant. Nach dieser Einlage wechseln sich Schlagzeug Dominanz und schüchterne Untermalung ab, während Askeroth sich der Melodie anpasst und periodisch seine Geschichte vorträgt. Gesang und Melodie verschmelzen dabei zu einer Mixtur abgrundtiefer Düsternis.
Die komplett auf deutsch gehaltenen Texte spiegeln Missstände in Gesellschaft und Religion wieder. So beschrieb Sänger Askeroth die Band als eine Art "Mittelfinger-Projekt, um Probleme direkt anzusprechen". So handeln viele Themen über das Christentum, wie in den Songs "Kreuzritter", "Kreuzigung" und "Hexe". Oftmals wird ein arrogantes Verhalten der göttlich abgesegneten Instanz angeprangert, teils auch die menschlichen Schwächen mit Unbekannten umzugehen. Aber auch andere Religion werden nicht verschont. So wird bei "Des Menschen Kunst, Blindheit zu säen" gnadenlos auf dem Islam eingehackt und dessen destruktiver und diskriminierender Stil gegenüber den eigenen Gläubigen als Paradoxon hingestellt. Daneben finden sich noch Songs wie "Die Blutgräfin", welcher über die bekannte mittelalterliche Gräfin Bathory handelt, die gerüchteweise nicht unbedingt herzlich gegenüber ihrem Untertanen war und sich selbst in einer Illusion der Vergänglichkeit verlor. Als großes Überthema dürfte jedoch "Antik" dienen und spannt einen großen Mantel über alle anderen Songs. "Antik" kritisiert das menschliche Zerstörungs- und Gewaltpotenzial und hinterfragt, warum nur Tiefpunkte der menschlichen Existenz wahrhafte Faszination auf uns auszuüben vermag. Warum bleiben die schlimmsten Ereignisse am besten haften? Sind wir den eine Spezies der reinen Aggression und Zerstörung?
Nachtblut liefern mit Antik ein Album ab, das nach drei Jahren immer noch zu überzeugen weiß. Starke lyrische Eruptionen vereinigen sich mit einem morbiden Gesang und einer düster melodischen Aura. "Antik" stellt eindeutig ein kleines Juwel in der überschaubaren Welt des Dark Metal dar und dürfte in dieser Ecke genügend Anhänger finden – oder bereits gefunden haben.



