Heute widmen wir uns vollständig dem Feld des „Dark Wave“. Ab und zu muss auch mal ein bisschen Platz für gruftigere Klänge sein. Auch wenn das Genre keinen direkten Bezug zum Metal besitzt, sympathisieren doch nicht wenige mit dieser aus dem Gothic stammenden Musikrichtung. Die häufig mit Gothic Rock synonym genannte Musik entwickelte sich in den späten 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Die ursprüngliche Strömung aus dem Punk entwickelte sich dabei Stück um Stück weiter zu einer eigenen Subkultur, dem Gothic. Dabei grenzte man sich vor allem durch düstere, beklemmende und deutlich weniger verspielte Klänge von den eigenen Wurzeln ab. Die ersten Bands waren sicherlich die Urgesteine von THE CURE oder auch die zunächst punkigen JOY DIVISION, die sich mehr und mehr dem Typ des Dark Wave zuwandten.
In den folgenden Jahren kam es geradezu zu einem explosionshaften Anstieg an neuen Bands. Vor allem in England sowie in den USA bildete sich schnell ein zunächst stabiles Umfeld. Deutschland sollte erst Ende der 80er den Dark Wave für sich entdecken. In den folgenden Jahren implodierte das Genre beinahe vollständig und ist auch heute nicht mehr als ein Randbereich des Gothic. Besonders der Gothic Metal setzte der Musik stark zu und absorbierte die Anhänger des Dark Wave.
Dennoch gibt es einige Unterstile des Dark Wave, die auch heute noch praktiziert werden. Besonders der Neofolk/Neoklassik ist dabei noch immer erfolgreich – ebenso wie der Gothic Rock, der zweiten Welle. Aber auch der Cold Wave, eine spezielle Spielrichtung aus Frankreich mit besonders gefühlslosen Klängen, erfährt noch gelegentlich neue Kreationen. Die aus Deutschland stammende Richtung „Neue Deutsche Todeskunst“, konnte sich hingegen nicht allzu lange halten, trotz bekannter Bands wie DAS ICH, den aufgelösten GOETHES ERBEN oder auch RELATIVES MENSCHSEIN.
Die wunderbare Musik des Dark Wave (zumeist Gothic Rock), sowie des sehr ähnlichen Cold Wave, ist heute beinahe schon etwas in Vergessenheit geraten. Dieser Artikel widmet sich vor allem den unbekannteren, heute kaum noch erwähnten, Bands des Genres.
Eine Art Top10 des Dark Waves (mit nur neun Songs):
Ghosting – Lion King
Eine der Bands im traditionellem Gothic Rock Bereich. Im Jahr 1989 gegründet in der Nähe von Kassel, erfuhr die Band einen rasanten Anstieg der Bekanntheit. War das erste Konzert noch vakuumsleer, spielte die Truppe kaum ein Jahr später in vollen Hallen. Der Sound setzt auf absolut typisch markante Basslines und einer etwas als rustikal empfundenen Gitarre. Sänger und Kopf der Band, Sascha, sing wie aus einem fernen Universum. GHOSTING sind auch heute noch immer eine Referenz des Dark Wave. Leider löste sich die Band schon vor Jahren auf.
Soror Dolorosa – Trembling Androgyneous
Cold Wave aus dem Jahr 2009. Die Franzosen verbinden die Stärken des Dark Wave mit jenen des besonders in Frankreich populären Shoegazing. Eine eisige Kälte weht durch die Songs von SOROR DOLOROSA. Abstrakt und fremd.
Dronning Maud Land – Hollow Eyes
Ebenfalls aus Deutschland stammend, machten sich DRONNING MAUD LAND Anfang der 90er Jahre einen Namen in der Szene. Namensvetter ist hierbei das eisige Dickicht im antarktischen Norden, das von Norwegen beansprucht wird.
Ding An Sich – A Hollow Image of a Fulfilled Desire
Wir befinden uns im Griechenland der 1990er Jahre. Das von Kant definierte Paradigma „Ding an Sich“ hält für diese junge Formation als Namensgeber her. Nach nur zwei Alben löste sich die Band – wie viele andere Bands des Genres ebenso – bereits in den Jahren 2000-2001 wieder auf. Markantes Merkmal der Band ist die deutlich hochwertigere Qualität im Gegensatz zu vergleichbaren Veröffentlichungen, sowie die Komplexität der Songs.
Opened Paradise – Dancing With Shadows
Ebenfalls aus Griechenland stammen OPENED PARADISE. Dabei beschränkt sich die gesamte Schaffensphase auf das Album “Occult” von 2006, sowie diversen Compilations und Neuveröffentlichungen. Die Athener Band befasst sich im eher rockigen Sound vor allem mit den Themen Schmerz, Einsamkeit und dunkler Fantasien.
Avaritia – A Tiny Glance
Über diese unbekannte Band, ist nicht viel bekannt. Soweit meine Informationen reichen, stammen AVARITIA aus Deutschland und waren wohl vor allem Anfang der 2000er Jahren aktiv. Seitdem ist es sehr still geworden um die Band mit der charismatischen Sängerin.
Nosferatu – The Witching Hour
Von der britischen Insel stammend, haben sich NOSFERATU seit 1988 einen Namen in der Gothic Szene gemacht. Fast schon zu populär, ist eine Erwähnung an dieser Stelle fast schon nicht mehr nötig. 1998 schien das Ende der Band gewesen zu sein – bis man sich im Jahr 2011 völlig unerwartet mit einem neuen Album zurückmeldete. Abgesehen von Lead-Gitarristen Damien DeVille ist von NOSFERATU jedoch nichts mehr übrig geblieben.
The Frozen Autumn – Static Cold
Eine dem Electro Wave zugeordnete Band aus Italien. Gegründet wurde THE FROZEN AUTUMN in Turin im Jahr 1993. Es folgte einige Alben, die bis ins neue Jahrtausend hinein reichen. Im Gegensatz zu den hier genannten Bands, sind THE FROZEN AUTUMN eher elektronisch und distanzieren sich damit deutlich von Kern-Dark-Wave-Bereich.
Rome – To Die Among Strangers
Zum Abschluss gar noch eine aktive Band: ROME. Zuletzt 2009 in Erscheinung getreten mit dem Album „Flowers From Exile“. Die Deutschen verwischen Genregrenzen und vereinen Shoegazing mit Dark Wave und düsterem Ambiente. Vor allem der Lyrik wird ein hoher Stellenwert eingeräumt.



